Vielfalt lernen und leben

Schreiben zum Fachtag, kleiner Koffer als Deko und Kugelschreiber

© Theresa Hepp | Caritas | Zum Fachtag „Internationale Pflege(fach)kräfte“ konnte der DiCV rund 60 Teilnehmende im Seminarraum begrüßen.

Zu einem Fachtag zum Thema „Internationale Pflege(fach)kräfte“ hat der Caritasverband für die Diözese Würzburg (DiCV) am 27. März 2025 in das Caritashaus geladen. Auf der Agenda standen neben Information, Austausch und Networking vor allem erfolgreiche Praxisbeispiele aus den Reihen der Caritas-Einrichtungen gGmbH (CEG).

„Fremd ist der Fremde nur in der Fremde“: Mit diesem Zitat von Karl Valentin eröffnete Claudia Dietz, Fachberaterin Altenhilfe im DiCV, den Fachtag zum Thema „Internationale Pflege(fach)kräfte“, den sie gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus dem Referat Alter, Gesundheit und Inklusion sowie den Kolleginnen und Kollegen der Caritas-Einrichtungen gGmbH organisiert hatte. „Fremdes wirkt mitunter bedrohlich und löst häufig Angst und Abwehr aus. Es gibt verschiedene Möglichkeiten damit umzugehen. Man kann die Augen verschließen, dem Fremden aus dem Weg gehen, Begegnungen vermeiden oder sich damit auseinandersetzen und schauen, was man durch das Fremde gewinnen kann, welche Vorteile damit verbunden sind, welche neuen Erfahrungen gemacht, was man daraus lernen kann“, so Dietz weiter. Sie schaffte mit diesem Impuls einen ersten gedanklichen Einstieg in ein topaktuelles Thema, das derzeit viele Menschen bewegt. Dies bestätigte auch das große Interesse der rund 60 Teilnehmenden des Fachtages, die aus dem Bereich „Pflege“ aus ganz verschiedenen Einrichtungen der Caritas und der gesamten Diözese Würzburg der Einladung zum Austausch gefolgt waren.

Durch den Fachtag führte CEG-Geschäftsführer Georg Sperrle. Neben Claudia Dietz begrüßte auch er die vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmer: „Danke, dass Sie sich heute die Zeit genommen haben und unserer Einladung ins Caritashaus gefolgt sind“, so Sperrle. Gerade in der Altenhilfe, wo die Zeit sehr kostbar und rar ist, sei dies keine Selbstverständlichkeit.

Ausführliche Einblicke und Information

Für den Fachtag hatte das Organisationsteam mehrere Referenten eingeladen, die zu unterschiedlichen Themen aufklärten und Informationen an die Zuhörerinnen und Zuhörer im Seminarraum weitergaben. So gab Prof. Dr. Lukas Slotala von der Technischen-Hochschule Würzburg Schweinfurt (THWS) Einblicke in den Gesamtprozess, den Arbeitgebende bei der Anwerbung und Integration von internationalen Pflegekräften berücksichtigen sollten. Er machte der interessierten Zuhörerschaft Mut, vor der hohen Dynamik der Sache und den weiteren Herausforderungen wie möglichen Schnittstellenproblematiken oder Problemen beim Anerkennungsprozesse nicht zu resignieren: „Bei dem Thema hat sich in den letzten Jahren viel getan.“ So seien beispielsweise die erforderlichen Gesetze besser denn je, sagte der Wissenschaftler. Trotzdem sei das A und O, die gute Integration von neuen, ausländischen Mitarbeitenden in die Stammbelegschaft. Nur so könne ein solches Vorhaben nachhaltig gelingen.

Prof. Dr. Slotala (THWS) am Rednerpult
Prof. Dr. Slotala., Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt © Theresa Hepp | Caritas

Das beschleunigte Fachkräfteverfahren „Fast Lane Bayern“, die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Anwerbung und Integration von internationalen Mitarbeitenden sowie das Anerkennungsverfahren stellten Klaus Speckner, Leiter „Zentrale Stelle für Einwanderung von Fachkräften ZSEF beim Bayerischen Landesamt für Pflege (LfP) sowie sein Kollege Dr. Andreas Bschleipfer, Leiter des Referats „Sachbearbeitung und Gleichwertigkeitsprüfung“, vor. Mit der Einführung von „Fast Lane“ sei eine Zentralisierung der Prozesse und damit eine Verkürzung der Bearbeitungsdauer eingetreten. „Unsere Initiativen tragen bereits erste Früchte“, erklärte Speckner. Bei allen Fragen stehe das LfP als Ansprechpartner für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber gerne zur Verfügung.

Wie die Integration von internationalen Pflegekräften an der Juliusspital-Berufsschule Würzburg gelebt und gelehrt wird, zeigte Maria Forster, Fachbereichsleitung Julius-Care, mit der Vorstellung ihres Fachbereiches auf: „Sehen Sie das Ganze als eine Chance und nutzen Sie die wunderbare Vielfalt, die durch die Anwerbung und Integration von ausländischen Mitarbeitenden in Ihrer Einrichtung entstehen kann“, so Forster.

Maria Forster (Berufsfachschule Julius Care) am Rednerpult
M. Forster, Berufsfachschule Julius-Care Würzburg © Theresa Hepp | Caritas

Unter anderem mit dem europäischen Stellen-Portal EURES haben Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber die Möglichkeit, eigenständig auf Bewerbersuche zu gehen. Wie das genau funktioniert und wie die Individualvermittlung von internationalen und europäischen Bewerbern gelingen kann, erklärten schließlich Christina Koch, Arbeitsvermittlerin und EURES-Beraterin, sowie Dominik Pickel, Qualifizierungberater und Fachkraft für die Weiterbildungsförderung bei der Agentur für Arbeit. Auch sie beantworteten offene Rückfragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachtages und seien darüber hinaus gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen im Amt gerne erreichbar.

Expertenkreis und Best-Practice-Berichte

Den Fachtag beschlossen dann Best-Practice-Erfahrungsberichte, die im Rahmen eines Expertenkreises vorgestellt wurden. Dazu interviewte Moderator und CEG-Geschäftsführer Georg Sperrle unter anderem zwei junge Frauen aus Indien, die seit September letzten Jahres eine Ausbildung zur Pflegefachkraft in zwei Würzburger Caritas-Einrichtungen absolvieren. Ann Maria Thankachan, Azubi im Bischof-Scheele-Haus Würzburg, schilderte eindrücklich, warum sie sich für die Ausbildung in Deutschland entschieden hat: „Deutschland ist ein tolles Land. Hier kann ich – anders als in meinem Heimatland Indien – als Frau in Freiheit leben.“ Dem stimmte ihre Kollegin Neha Biju Mohanan Biju, Auszubildende in St. Thekla, zu. Auch die Aussicht auf eine gute Ausbildung, die angemessene Bezahlung und die tolle Organisation, das Willkommenheißen und die Begleitung durch das Team der CEG, allen voran durch Amelie Dürr und Susanne Scheiner, seien ausschlaggebende Beweggründe für sie gewesen, Indien zu verlassen. Philippinin Carlyn Loi Andrada, die seit etwa neun Monaten als Fachkraft in Anerkennung im Marienheim Würzburg tätig ist, schilderte aus ihrer Sichtweise als gelernte Krankenschwester, wie sie ihren neuen Arbeitsalltag erlebt: „Meine Kolleginnen und Kollegen sind sehr herzlich und erklären Dinge, die ich aufgrund der Sprachbarriere vielleicht nicht verstanden habe, einfach noch einmal. Danke dafür.“ Dennoch sprach sie auch die Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert sei, offen an. Der Weggang aus ihrem Heimatland, die Trennung von ihrem Lieben und die vielen neuen Dinge, die sie lerne, seien eine große Aufgabe für sie.

Den Anstoß, das neben Ann Maria und Neha 14 weitere indische junge Frauen und Männer für eine Ausbildung nach Deutschland gekommen waren, hatte Pfarrer Augustin Parambakathu von der Pfarreiengemeinschaft St. Hubertus im Spessart gegeben. Er betreibt eine Sprachschule in seinem Heimatland und ist „Brückenbauer“ für den Austausch zwischen Indien und Deutschland, freute sich Sperrle. Pfarrer Augustin: „Für eine gelingende Integration von internationalen Pflegekräften ist eine kleine Community, in der sie zusammenleben können, sowie eine offene und positive Haltung erforderlich.“ Dies bekräftigte auch Amelie Dürr im Rahmen des Fachtages. Als Verantwortliche für die Stabsstelle Personalmarketing und -entwicklung bei der CEG sorgt sie dafür, dass die neuen internationalen Kräfte gut in Deutschland ankommen können und sich schnell wohl fühlen: „Auf die innere Haltung kommt es an! Sehen Sie die Anwerbung und Integration von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den verschiedensten Ländern dieser Welt als Chance und schauen Sie positiv auf das, was sich daraus ergibt.“

Blick in den Seminarraum, Besetze Plätze
Blick in das Publikum © Theresa Hepp | Caritas

Gemeinsam lässt sich viel verändern

„Viele kleine Leute, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern“, zitierte Sperrle am Ende des Fachtages ein afrikanisches Sprichwort. Dieser Leitgedanke sei für ihn ermutigend und richtungsweisend, wenn es um das große und brandaktuelle Thema „Internationale Pflege(fach)kräfte“ gehe, denn Caritas sei mehr als eine Organisation. „Caritas ist eine Haltung“, so Sperrle abschließend.

Gemeinsam mit Silke Birklein, Referentin Gesundheit, Alter und Inklusion im DiCV und Geschäftsführerin der DiAG Altenhilfe, bedankte er sich am Ende des Fachtages für die vielen positiven Rückmeldungen und den Austausch an diesem Tag. Man nehme die noch offenen Fragen und Anregungen für weitere Treffen dieser Art gerne mit und bleibe in der Sache am Ball.

Text und Bilder: Theresa Hepp (DiCV)